01.10.2015

Blues Studie mit Blue-Note

Die Macht des Halbtons

Die Blue-Note nimmt bei vielen Gitarrensolos eine zentrale Rolle ein. Nicht nur, dass sie bei Gitarristen die beliebte Basic-Scale „Blues-Pentatonik“ um einen 6. Ton erweitert. Der Sound dieses zusätzlichen Halbtonschritts macht einfach Laune.

Mit etwas Übung liegt der Ton schnell gut in der Hand. Daher spielen die meisten Gitarristen die Blue-Note als chromatischen Durchgangston bei Läufen und Licks. Dabei gibt es auch einen praktischen Nutzen für die b5, die magische blaue Note! Und der geht so:

Jazziger Sound mit nur einem Ton

Ich habe diese Idee bei einem Workshop zum Thema „Jazz-Improvisation auf dem Saxofon“ zum ersten Mal gehört. Ich war sofort begeistert von der Einfachheit mit der die Blue-Note hier neben meinem bisherigen „lass ich mal einfließen, wenn’s passt“-Solospiel plötzlich eine sehr konkrete harmonische Aufgabe übernimmt.

Blues-Studie für Gitarre mit Blue-Note:
Die Pentatonik bildet hier die verschiedenen Stufen-Akkorde ab.
Die Zentrale Idee ist das Spiel mit dem Zusammenhang zwischen der Terz der Tonika (I. Stufe) und der Sept der Subdominante (IV. Stufe). Ums vorweg zu nehmen: die meisten Gitarristen bügeln über solche Harmonie-Bewegungen einfach drüber – und das ist auch ok. Wer die jeweiligen Akkorde jedoch „deutlich hörbar“ herausspielen möchte, hat mit der Blue-Note eine mächtige Waffe.

 

Von der Terz zur Sept – mit einem Wisch!

Im Beispiel „Blues Studie in A“ kommt die A-Dur-Pentatonik zum Einsatz. Diese entspricht dem Fingersatz der F#-Moll Pentatonik; also dem klassischen Penta-Griffbild startend beim F# (2. Bund E-Saite). Diese Pentatonik passt sehr gut zu einem A-Dur-Akkord, u.a. auch deshalb, weil die Terz von A-Dur (der Ton cis) drin vorkommt.

Die Blue-Note der F#-Moll-Pentatonik (= A-Dur-Pentatonik) liegt nur einen Halbtonschritt drunter beim Ton „c“. Dieser ist wiederum die Septime des Grundakkordes der IV. Stufe (hier D-Dur bzw. D7). Während also die F#-Moll-Pentatonic im Gesamtklang einen A-Dur-Akkord „abbildet“ (= Töne a-c#-e), klingt die gleiche Pentatonik mit Fokus auf der Blue-Note plötzlich nach einem D7-Akkord (= Töne d-f#-a-c).

 

Der kleine Unterschied macht’s!

In der „Blues-Studie in A“ ist dieser kleine Unterschied erstmals von Takt 1 auf Takt 2 zu hören. Die Töne auf Zählzeit 3 und 4 bleiben jeweils gleich, nur der Startton ändert sich von „c#“ (Takt 1) zur Blue-Note „c“ (Takt 2). In Takt 3 geht’s wieder zurück. So wird der Akkordwechsel von A-Dur (= Tonika) zu D7 (= Subdominante) deutlich hörbar.

 

Wie passt die Dominante da rein?

Was für D7 gilt, gilt auch für E7 – nur 2 Bünde höher! Deshalb bildet z.B. das Lick in Takt 10 und 9 jeweils die Akkorde D7 und E7, ggf. sogar mit dem selben Fingersatz (z.B. wie im Sheet mit den Ziffern zwischen den Noten/TAB-Zeilen abgebildet).

 

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