09.03.2015

Saitenweise Gitarrenschule Rezension

Nichts für blutige Anfänger

Eine Gitarrenschule ist mehr als bedrucktes Papier mit Noten drin. Es braucht ein "Lehrkonzept" für "abwechslungsreichen und lebendigen Unterricht". Ein solches Buch soll ein "umfassendes Fundament" für "die Weiterentwicklung in alle Stilrichtungen" legen.

So stehts im Vorwort von "Die Gitarrenschule "Saitenweise"" von Lino Battiston, erschienen 2014 im Books on Demand-Verlag (BoD). Wie zum Beweis, dass wirklich jede Marketing-Floskel noch untergebracht werden muss, steht da außerdem noch...

..."Für Anfänger aller Altersstufen"

Gitarrenschule - Rezension
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Amazon-Bestellung von "Saitenweise"
Also legt Battiston gleich umfassend los: Gitarrenaufbau, Spielhaltung, Saitennamen und Stimmen, Notenschrift, Finger der Anschlaghand, Spiel auf den Bass-Saiten – die ersten 6 Seiten haben´s in sich. Zack!, zack!, zack!, so geht Gitarre!

Auf Seite 15 steht das erste Lied mit Text: "Merrily we roll along". Spätestens hier wird klar: Kinder im Grundschulalter können nicht gemeint sein. Ab Seite 17 nächste Stücke mit Text: "Ist ein Mann in Bunn' gefallen", "Kuckuck"... 

Teenager steigen hier wohl aus und Erwachsene fragen sich wahrscheinlich: "Wo soll das hinführen?" Auch eine CD fehlt dem Buch (sowas sieht der BoD-Verlag auch nicht im Angebot vor). Eigentlich ein Standard in jeder Gitarrenschule.

Verriss endet hier - ab jetzt Lob!

Bis dahin also "Fazit: ?" – doch dann kommt ein Trumpf ins Spiel, der beim BoD-Verlagskonzept sozusagen Programm ist: Das persönliche Engagement des Autors. Der hat nicht nur Hörbeispiele der Stücke auf seine Internetseite gestellt, sondern sich in Hälfte 2 von "Saitenweise" richtig ins Zeug gelegt.

Keine CD, dafür sind aber (computergenerierte)
Hörproben zu "Saitenweise" sind online hinterlegt
Wenn die Stammtöne der ersten Lage "abgearbeitet" sind und Battiston tiefer auf spielerische Elemente eingeht, werden "Lehrkonzept" und "Abwechslungsreichtum" plötzlich schön erkennbar. Traditionals wechseln sich ab mit Folk-Stücken, Solo-Bearbeitungen von berühmten Klassik-Melodien und bekannte Etüden tauchen auf, Akkordspiel sowohl mit Symbolen und Notationen werden integriert... das Tempo bleibt hoch, doch ab entsprechendem Spielniveau ist das sogar ein feines Feature.

FAZIT:

Eine Gitarrenschule für "Anfänger aller Altersstufen" soll das rund 70 Seiten starke Büchlein sein – ist es aber nicht. Wäre auch schwer denkbar, angesichts hoher Inhaltsdichte, spartanischer Aufmachung und fehlender CD.

"Saitenweise" eignet sich aus meiner Sicht sehr gut als Ergänzungsliteratur – alleine schon wegen des vergleichsweise niedrigen Preises. Liedauswahl und Arrangements ab der Buchmitte sind gute Wegbegleiter für fortgeschrittene Schüler. Zugleich werden Musik-Grundlagen für Gitarristen kompakt dargestellt; Mein Vorschlag für den Untertitel lautet daher: "Für Fortgeschrittene, Wieder- oder Quereinsteiger". Aber aus Marketing-Sicht geht sowas natürlich gar nicht...

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