19.07.2018

Rock & Jazz Harmony Rezension

Alles – auch aus Gitarristen-Sicht

„Talent mag vom Himmel (..) fallen, wissen jedoch nicht.“ Es ist der erste Satz in Mattias Löfflers „Rock & Jazz Harmony“ (AMA Verlag). Und wenn man den kiloschweren Wälzer von fast 800 Seiten geballter Harmonielehre-Information das erste Mal in die Hand nimmt, möchte man fast ein erleichtertes „Gott sei Dank“ hinzufügen.
Rock & Jazz Harmony (M. Löffler - AMA)
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Doch der erste Eindruck täuscht: schon beim Überblättern und Querlesen fällt auf, wie durchdacht und didaktisch strukturiert Löffler hier sein Musiklehre-Kompendium konzipiert hat. Würde mich nicht wundern, wenn das Buch schon bald zum Standardwerk in den Harmonielehre-Kursen weiterführender musikalischer Ausbildungen avanciert. Die Informationsdichte und -Tiefe gibt das auf alle Fälle her.

Mehr Inhalt geht kaum

Didaktisches Konzept:
Löffler führt durch sein Buch
Das Grundlagen-Kapitel zum Beispiel umfasst von Allgemeiner Notenlehre über Tonleitern und Skalen, 3-Klänge, 4-Klänge, Stufentheorie, Quintenzirkel und Akkordumkehrungen auf rund 150 Seiten schon mehr Inhalt und Praxisbeispiele als jede Instrumental-Schule in einem Band liefert – und das ist erst Kapitel 1 von 9 (!) mit jeweils ähnlichem Umfang:
  1. Grundlagen 
  2. Erweiterte Harmonik (ca. 150 Seiten, u.a. Intervalle, Tensions, Akkordfunktionen, Skalen-Übersicht) 
  3. Grundfunktionale Harmonik (ca. 250 Seiten, u.a. Funktionstheorie, Substitutionen, Dominantketten, Klischeefolgen) 
  4. Modale Harmonik (ca. 20 Seiten, u.a. Entstehungsgeschichte, Sound und Klischeefolgen) 
  5. Modal Interchange (ca. 20 Seiten) 
  6. Blues (ca. 40 Seiten, u.a. Entstehung, Harmonik, Improvisationskonzepte) 
  7. Improvisation (ca. 40 Seiten, u.a. Licks, Konzepte, Bebop) 
  8. Analysen (ca. 80 Seiten, Rock, Pop und Jazz-Standards)
  9. Anhänge
Bämm! Da dürften keine Fragen offen bleiben. 

Die Spielpraxis immer im Blick

Schon in der Inhaltsangabe spiegelt sich dabei Löfflers größte Stärke wider: zusätzlich zur Referenz-artigen umfassenden Darstellung der Harmonielehre behält der Autor den Bezug zur praktischen Umsetzung stets im Blick. Dass dabei auch noch die „Gitarristen-Sicht“ auf die Themen immer wieder heraussticht, finde ich besonders attraktiv.

Praxis stets im Blick - zu Erklärungen
gibts auch praktische Aufgaben
Denn obwohl immer wieder Jazzgrößen zitiert werden, wie z.B. Miles Davis, verrät schon die Übersicht zum Analyse-Teil des Buches eine starke Affinität zur modernen Rock- und Pop-Musik:
The Eagles, Queen of the Stone Ages, Maroon 5 und natürlich... Jimi Hendrix – so eröffnet Löffler den Teil, der in den meisten Harmonielehre-Büchern vor allem mit Realbook-Standards a la „Autumn Leaves“ und „Blue Bossa“ beginnt. Erst drei weitere (Pop-)Titel später steht der erste Jazz-Song unter der Lupe („Donna Lee“, Charlie Parker). 

Fazit:

„Rock & Jazz Harmony“ ist ohne Zweifel eine Referenz in Sachen Umfang und Themendichte bei Harmonielehre Büchern. Besonders der starke Fokus auf die praktische Umsetzung in der zeitgenössischen Rock- und Pop-Musik macht das Buch für den modernen Gitarristen zum Geheimtipp.

Dabei ist Löfflers „Die Klangwelt der Rock- und Jazzmusik verstehen“ kein typisches Musik-Lernbuch zum Selbststudium, sondern vielmehr eine Informationssammlung (und Einordnung), um das Musikstudenten wohl nicht herumkommen werden und das in keinem Bücherregal eines ambitionierten Musikers fehlen darf.

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