04.09.2013

Jazzkantine-Gitarrist Tom Bennecke im Interview

Von der Groove-Formel

Sie ist wahrscheinlich eine der deutschsprachigen Bands, die am meisten Groove auf ihre CDs presst: Mit „Ultrahocherhitzt“ stellt die Jazzkantine aus Braunschweig ihr inzwischen 10. Studioalbum vor. Nach verschiedenen stilistischen Ausflügen und Cover-Produktionen kehren sie auf dieser Scheibe wieder zu ihren Wurzeln zurück.


Interview mit Gitarrist Tom Bennecke

Diese liegen noch tiefer als im Schmelztigel von Jazz, Funk- und Soul-Musik mit deutschsprachigem Rap und Gesang. Sie liegen: im Groove! Im Interview mit Jazzkantine-Gitarrist Tom Bennecke geht’s daher auch fast nur um das eine...


Die Magie im Puzzle-Teil

Gery: Auf Alben der „Jazzkantine“ hört man neben Grooves und Raps viele Soli – allerdings nur selten ein Gitarrensolo. Machen Dir Solos keinen Spaß?
Tom: Oh doch, Solos machen mir sogar großen Spaß (und das hört man dann auch, Anm. d. Autors). Doch bei funky Sound und Black-Music geht es eben darum, dass die Rhythmusarbeit stimmt. Die Magie entsteht dadurch, dass jeder in der Band einen kleinen Teil zum Gesamtsound beisteuert. Quasi ein Puzzlestück zum großen Ganzen.
Sich zurücknehmen – das ist für Gitarristen leichter gesagt als getan. Wann weißt Du, dass Du wenig genug spielst?
Das ist immer schwer zu sagen. Da muss man sich auf sein Bauchgefühl verlassen. Eine Formel gibt’s dafür nicht. Um das Gefühl für Single-Notes zu entwickeln hilft nur: viel zuhören und nachspielen.

Die wichtigsten Impulsgeber

Was hast Du nachgespielt fürs Bauchgefühl?
Auch wenn das jetzt nicht direkt nach Jazzkantine klingt: Auf die Rhythmusgitarre aufmerksam geworden bin ich durch Neil Young mit Stücken, wie "Southern Man" oder "Ohio". Zu meinen Einflüssen zählen aber auch Wes Montgomery, Wah Wah Watson (auf Herbie Hancocks 70´s Alben), Nile Rodgers (bei Chic, Sister Sledge, Daft Punk und Solo) sowie James Browns Gitarristen der 60´s und 70´s.
Wie entwickelst Du Deine Gitarren-Linien bei der Jazzkantine?
Oft schnappe ich mir die Vorproduktion und spiele dann verschiedene Ideen dazu. Pentatonik, Blues-Tonleiter – das sind so die ersten Impulsgeber. Die besten Ideen nehme ich auch gleich auf, damit nichts verloren geht.

 

Folge dem Bass!

Aus dem Nichts kreativ zu sein ist schwer. Woher kommen Deine Ideen?
Oft ist es sinnvoll, sich erst mal ein Instrument der Band vorzunehmen und dazu zu spielen. Es geht darum, der ganzen Rhythmusgruppe zuzuhören, bevor Du selbst loslegst mit spielen. Wenn Du die Idee, die Schwerpunkte des Grooves, erkennst, kannst Du Dich einklinken.

Bei „Puppenspieler“, dem Opener-Song eurer neuen CD „ultrahocherhitzt“, ist das sehr deutlich zu hören.
Da hab ich mich zum Beispiel an die Basslinie dran gehängt. Sowohl bei frühen Funk-Bands wie „The Meters“ als auch bei späteren Gruppen, wie z.B. „Cameo“, gehen Gitarre und Bass häufig gleiche Wege.

 

Der Kern: Rhythmus und Melodie

„Erst zuhören, dann einsteigen“ funktioniert im Proberaum, im Studio … aber wie gehst Du das live an?
Das ist nicht immer einfach. Deswegen ist mir wichtig, nicht schon in der ersten Hälfte eines Konzerts das ganze Pulver zu verschießen. Man muss sich auch ein wenig eingrooven. Wenn gleich die ersten Songs viel zu hibbelig sind, kann es die ganze Band verunsichern. Ich gehe die Dinge daher gern locker an. Ein guter Clean-Sound, nicht zu viele Effekte – so hab ich den Kopf frei, um mich mehr auf das Wesentliche zu konzentrieren: Den Rhythmus und die Melodien.

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