Pentatonik Surf-Sound-Übungssong

Verflixte Symmetrie

Zu jeder Pentatonik-Position habe ich ein Übungsstück veröffentlicht. Mit „Bring me home tonight“ liegt hier das 5. Stück eben für die 5. Position vor. Auf den ersten Blick alles ganz easy: Der Fingersatz lässt sich dank des symmetrischen Aufbaus leicht merken. 

Doch Lage, Klang und Fingersatz haben bei eben genau der 5. Position der Pentatonic-Scale so ihre Tücken. Das macht sie schließlich irgendwie doch zu einer exotischen Skala.

Die 5. Position der Pentatonic-Scale besteht aus einer besonderen Form: Es ist der einzige Fingersatz der Pentatonik-Skale die im Standard-Tuning sowas wie eine durchgehende Symmetrie aufweist. 2 Kurze Abstände (3 Bünde, Ganztonschritte) auf den Saiten E und A, gefolgt von 2 langen (4 Bünde, kleine Terzen) auf D- und G-Saite, und wieder 2 kurzen auf b- und e-Saite. 

Hurra! Gleichförmigkeit!

Leicht zu merken, schwer einzusetzen:
Die 5. Position der Pentatonik-Scale
Soviel Gleichförmigkeit kommt am Griffbrett selten vor. Deshalb lädt die Scale – scheinbar – ein zu Läufen, Sequenzen und Repeating-Licks. Trotz des simplen Schemas fristet die 5. Position der Moll-Pentatonik aber stets ein Dasein als höchstens zweiter Sieger. Denn der tiefe Nachbar der populären 1. Position birgt Handicaps, die die Leidenschaft beim Spielen ausbremsen:
  • 2 kleine Terz-Sprünge hintereinander
  • Der Fingersatz ist tiefer als der andere

 

Der sperrige, tiefe Nachbar

Da die meisten Gitarristen beim Solospiel in hohe Register drängen, fällt die 5. Position häufig zunächst „hinten runter“. Die beiden Terz-Sprünge in der Griffbrettmitte sind zudem in tiefen Lagen (z.B. bei A-Moll zwischen 2. und 5. Bund) etwas unhandlich zu spielen mit 1. und 4. Finger. Daher können sich viele erst jenseits des 12. Bunds mit dem Fingersatz anfreunden.

Doch tiefe Lagen haben ihren klanglichen Reiz an der Gitarre und kommt gerade bei Country- und Surf-Sound besonders zur Geltung. Entsprechend erinnert „Bring me home tonight“ – mein Übungsstück zur 5. Position der A-Moll-Pentatonik – klanglich sehr an das Feeling 1960er Jahre, der „swingin' Sixties“.

 

Der Moll-/Dur-Scale-Trick

Die 5. Position der Pentatonik-Scale im Fokus:
Tabs und Chords zu "Bring me home tonight"
Zur Geltung kommt hier wieder ein Trick, den ich bereits bei dem Übungssong zur 4. Pentatonik-Position angewandt habe: Obwohl das Tonmaterial der A-Moll-Pentatonik entspricht, wird die Skale durch den musikalischen Kontext zur C-Dur-Skala. Die Töne bleiben dieselben – allerdings ist das harmonische Zentrum (erkennbar an der Akkordstruktur C – Dm – G7 – C) klar C-Dur und so wird der Moll-Fingersatz akustisch zur „verwandten“ Dur-Scale. 

Die Melodie nimmt konkret bezug darauf und landet immer wieder mit langen Noten und zu schweren Zählzeiten auf dem Grundton 'c' (z.B. Takt 1, Takt 7, Takt 9, u.s.w.). 

 

Auf F-Dur wechselt das Geschlecht 

Seite 2 mit B-Teil und Schlusswendung
Im B-Teil wechselt der Fokus auf die IV Stufe (der F-Dur alias Fmaj-Akkord) und mit der Vermollung der Subdominante (wenn die IV Stufe von Tongeschlecht Dur in Moll umgewandelt wird) kommt ein weiteres typisches Klang-Klische aus der Rock und Pop-Musik zum Einsatz. 

Die Melodie bildet diese Klangbewegung mit dem Terz-Ton von Fmaj bzw. Fm7 ab (Takt 17/18) und landet auf dem Quint-Ton der Tonika (Akkord C6, Takt 19). Auch das ist eine Sound prägende Tonbewegung.

Nach dem B-Teil geht’s mit einer Variante des A-Teils weiter. Diesmal wird die Melodie eine Oktave höher gespielt. Dabei kommt ein weiteres Merkmal der nur „scheinbar“ symmetrischen Skala zum Tragen: Obwohl der Fingersatz gleichförmig wirkt, sind die prägenden Töne jedes mal an anderer Stelle zu finden.

Z.B. Grundton „c“: Wird er in Takt 1 noch am 3. Bund der A-Saite (mit 1. oder 2. Finger) landet am Ende der 4. Finger beim hohen 'c' am 5. Bund der G-Saite. Der Tonsprung kann selbst mit dem 3. Finger an dieser Stelle ziemlich unbequem sein.

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