28.05.2013

Teil 2: Interview mit Hannes Porombka von der Rae Jarvis Band

Bendings für's Gefühl

Schnörkellos und voller Power – so bringt Rae Jarvis seine Songs mit seiner Band auf die Bühne. Volle Energie, das heißt für Lead-Gitarrist Hannes Porombka vor allem: Kurzes, prägnantes Spiel, rhythmische Variationen und viel Leidenschaft auf dem Griffbrett.

Leidenschaft auf dem Griffbrett bedeutet vor allem: Bendings spielen. Das Saiten-Ziehen ist eine Spieltechnik, die das E-Gitarrenspiel prägt, wie keine zweite. Doch es ist auch anstrengend. Im Gespräch verrät Hannes, wie man der Anstrengung Herr wird, warum Bendings nicht nur schnell gespielt werden sollten und warum live einfach l

Bendings - lieber langsam angehen

Gery: Nicht nur in „Run Away“ sondern auch bei Deinem starken Schluss-Solo in „Ordinary Day“, dem letzten Track von „Inspired in Heaven – made in Hell“, spielen Bendings eine wichtige Rolle. Warum?
Hannes: Man kann einfach verdammt viel anstellen mit Bendings. Zum einen kann man sie richtig jammernd und klagend klingen lassen (Minute 3:57), oder man bendet auf die Blue Note (Minute 3:27) was irgendwie cool klingt oder oder oder. Für mich sind Bendings einfach die Lieblingsphrasierung um Gefühle auszudrücken.
Rae Jarvis Debutalbum:
Inspired in Heaven - Made in Hell

Für viele Gitarristen sind gerade Bendings die „Nagelprobe“. Die Kombination aus Intonation und Kraft - Was ist Dein Geheimnis?
Also was bei Bendings – wie bei allen anderen Techniken – hilft, ist, sie zunächst langsam zu spielen und sich klar zu machen was dabei überhaupt passiert. Man zieht die Saite langsam höher, um auf den richtigen Ton zu kommen. Und wenn Du da bist, machst Du vielleicht noch ein Vibrato drauf.

Mir ist aufgefallen dass ich früher die Bendings viel zu schnell gemacht habe. Ein typisches Gitarristen-Problem: Du hörst fast nur die „Zielnote“, dabei ist doch grade dieser lang gezogene Anstieg so schön! 

 

Augen zu - und durch!

Gerade das langsame Ziehen kostet doch richtig Kraft und Konzentration.
Erstaunlicherweise hab ich festgestellt, dass ich bei Bendings wirklich nie(!) aufs Griffbrett schaue. Das geht bei mir nur über das Ohr und Gefühl. Ich denke, das Problem mit der Kraft erledigt sich, wenn man seine Gitarre regelmäßig in der Hand hat. Seitdem ich immer mehr Zeit mit meiner Gitarre „verbringe“, bin ich von 009er-Saiten mit tiefer Saitenlage auf 011er-Saiten mit hoher Saitenlage umgestiegen. Und auch die sind jetzt absolut leichtgängig zu ziehen.

Viel Platz für große Soli hattest Du auf dem Album nicht – live macht ihr das ganz anders. Was macht für Dich den Unterschied zwischen Live und Studio aus?
Live mehr Spaß! Studioarbeit ist schon der absolute Hammer – aber es gibt einfach nichts besseres als live Musik für andere Menschen zu spielen, und die Energie die dabei entsteht zu genießen.

"Live macht mehr Spaß!"

Bei Rae sind die Stücke ausarrangiert und werden auch live so gespielt. Aber trotzdem gibt es ein paar Songs und Stellen an denen Rae mir freien Lauf lässt. Ich habe z.B. bei „Red Sun“ (mein Lieblingssong von Rae!!) oder „Ordinary Day“ live richtig viel Freiraum bei den Solos und improvisiere da auch viel. Allerdings bin ich selbst auch der Meinung, dass ausgedehnte Soloparts nur Sinn ergeben, wenn sie den Song bereichern. Also kein „Solo des Solos wegen“.

Im ersten Teil des Interviews verrät Hannes, welche Gitarren bei der Produktion von Raes Debüt-Album zum Einsatz kamen, wie man kurze, aber trotzdem geile Solos spielt und warum uns Triolen schweben lassen.

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