06.03.2013

My electric guitar – Volume 1

Nichts als das Wesentliche

Als ich zum ersten Mal dieses Buch auspackte, war ich baff: „da steht ja gar nichts drin!“, war mein erster Gedanke. Das stimmt natürlich nicht: Auf 70 Seiten möchten die Autoren Freddy Becker und Libor Fiser in „my electric guitar – volume 1“ Kindern das E-Gitarren-Spiel vermitteln. Eigentlich ist ihr Ansatz ganz gut – nur ohne Buchstaben ist das nicht viel wert!


Freilich: aus lauter weißen Seiten besteht „my electric guitar – volume 1“ nicht. Stattdessen beschränkt es sich auf Notenschrift in Kombination mit Tabulatur. Das ist der übliche Standard – sogar eine CD ist im Lieferumfang enthalten. Doch selbst die kommt völlig ohne Worte aus. Schnell wird klar: Das ist der Versuch ein Buch für möglichst viele Länder zu veröffentlichen. Immerhin sind die Titel mit englischen Überschriften versehen.


Alles drin: Grundakkorde, Skalen...


Die insgesamt sechs Lieder in dem Buch (allesamt komponiert von Libor Fiser) vermitteln methodisch durchdacht Schritt für Schritt spielerisches Können. Dabei schaffen die Stücke einen schönen Spagat aus einfachem Spiel und spannender, unterhaltsamer Musik. Angelehnt an typische Vertreter des Gitarrenrock (wie z.B. Deep Purple oder Lynrd Skynrd) ist jeder Song in Lead- und Solo-Stimmen sowie Begleit- und Rhythmus-Stimmen unterteilt. Die wichtigsten Grundakkorde, Powerchords und sogar erste (vereinfachte) Skalen werden… nunja... abgebildet – mehr aber auch nicht.


Das macht „my electric guitar“ zu einem Werk, das zum Selbststudium praktisch ungeeignet ist. Es ist offensichtlich als Unterrichtsmaterial konzipiert, wahrscheinlich mit Blick auf Gruppenunterricht an der E-Gitarre. Wer sich – aus Lehrersicht – damit beschäftigt findet darin sicher ein gutes und schnörkelloses Begleitwerk für den Unterricht. Das Konzept dürfte vor allem im Gruppenunterricht gut aufgehen, denn schließlich wird bewusst auf jede Mögliche Ablenkung verzichtet und nur das Wesentliche fokussiert: Keine Texte, keine Bilder – nur Noten, Tabulatur und Griffbilder.

...nur die Leidenschaft fehlt.


Allerdings geht diese arg nüchterne Aufmachung vor allem zu Lasten der Spielfreude. Von Begeisterung für das Instrument und die Rock- und Pop-Musik ist (außer an einigen verspielten Stellen auf der CD) nichts zu spüren – und vor allem nichts zu lesen. So weckt „My electric Guitar“ weder Lust aufs Schmökern noch Neugier auf die nächsten Seiten – schließlich sehen diese ja (auf den ersten Blick) sowieso alle gleich aus.

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