07.10.2013

Melodische Fingerübung für die Greifhand

Wunderlied – zweite Stimme

Im ersten Teil von „Isabels Wunderlied“ schrieb ich, dass sich selbst geübte Gitarristen „noch wundern“ würden, wenn sie sich mit diesem Stück auseinandersetzen. Inzwischen habe ich eine zweite Stimme zu der Melodie arrangiert – und die ist mehr als nur eine harmonische Fortsetzung von Isabels Idee.

Zweite Stimme mit Fingersätzen:
Kleiner Finger groß gefordert!

Die Begleitung – soviel sei vorab verraten – ist schwieriger als die erste Stimme. Trotzdem gibt es Entwarnung: Wer die Herausforderung der Melodie geknackt hat (Picking mit der Zupfhand) kann sich jetzt getrost auf die Greifhand konzentrieren. Allerdings geht es da um ein ganz spezielles Trainingsziel.

Die ganze Partitur im Überblick:
Isabels Wunnderlied für zwei Gitarren

Kleiner Finger ganz groß

Der kleine Finger (in der Partitur mit Ziffer 4 angewiesen) steht bei der zweiten Stimme von „Isabels Wunderlied“ anfangs im Mittelpunkt. Der Grund: Die zweite Stimme ist höher als die erste und deshalb werden auch Griffe am 5. und 4. Bund notwendig. Um diese Töne möglichst ähnlich klingen zu lassen, sollten sie auch gegriffen werden...

… und das kriegst Du in Takt 1 und 2 nur hin, wenn Du das klingende „g“ (entspricht z.B. auch der g-Saite) mit dem kleinen Finger am 5. Bund der D-Saite greifst. Das ist vielleicht zunächst ein wenig ungewohnt – aber mit der richtigen Greifhaltung kannst Du Dich dem Thema sehr gut nähern.

 

Stabilität in der Greifhand

Weil gleichzeitig der 2. Finger das „d“ am 3. Bund der h-Saite greift, wird aus der einfachen Melodie eine richtig effiziente Fingerübung. Dieser Griff gibt – eine komfortable Handhaltung vorausgesetzt – der ganzen Greifhand die nötige Stabilität um zwischen den übrigen Fingern 3 und 1 hin- und hergreifen zu können. Versuche daher, Dich ganz auf den liegenden 2. Finger zu verlassen, während Du die Töne „g“ (4. Finger am V. Bund D-Saite), „fis“ (3. Finger am IV. Bund D-Saite) und „a“ (2. Bund am II. Bund g-Saite) greifst.

Im B-Teil muss die Greifhand dagegen plötzlich ganz andere Wege gehen: So greift in Takt 5 der 3. Finger am V. Bund der g-Saite gleichzeitig mit dem 4. Finger am 5. Bund der E-Saite. Dieser „Double-Stop“ ist ein sehr beliebter Standard-Griff in der Gitarrenwelt – Du solltest ihn gut einstudieren, er wird Dir noch einige Male begegnen.

 

Griffe führen zu Griffen

Um den Griff in Takt 6 zu erreichen (1. Finger am III. Bund h-Saite, 2. Finger IV. Bund e-Saite) kannst Du Dich am vorherigen Griff (3.+4. Finger auf g- und e-Saite) richtig aufstützen. So geben die greifenden Finger den gleich greifen werdenden Finger Stabilität – und darauf kommts an!

Isabels Wunderlied - 2. Stimme:
Mit Tabulatur und Noten
Damit hast Du dann auch schon die größten Hürden des Stückes geschafft. Takt 7 wird nämlich genau gleich gegriffen, wie Takt 6, nur eben einen Bund tiefer. Im 8. Takt kommt sogar eine Leersaite ins Spiel (die h-Saite)...

Schwierig wird’s erst wieder, wenn Du vom 8. Takt zurück in Takt 1 springst. Denn dann müssen der 2. und der 4. die Finger auf ihre Position springen – Steigbügelhalter dabei ist allerdings wieder der (noch liegende) 3. Finger auf der e-Saite.

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